Donnerstag, 11.03.21
Alter: 95 Tage
Kategorie: Allgemeines

Zeitung macht Schule

Ein aktuelles und kontrovers diskutiertes Thema griff Frau Kwirant in ihrem Deutschunterricht auf. Im Rahmen des Zeitungsprojekts interviewte die 8a zwei junge Umwelt-Aktivistinnen aus Bielefeld zu ihrem Engagement und insbesondere zu ihrer Teilnahme an einer Baumbesetzung in Halle im Februar 2021.


8a:  Warum habt Ihr angefangen zu protestieren?

Lea (Studentin, 20 J.).: Ich hab schon immer den Drang gehabt, meine Meinung zu Ă€ußern, laut zu werden, mich fĂŒr mehr Gerechtigkeit einzusetzen. So beispielsweise fĂŒr die Wahl und Umsetzung klimaneutraler Wege und umweltfreundlicher Alternativen. Ich möchte nicht nur lesen und reden, sondern etwas tun.

Sophie (Studentin, 21 J.).: Ich wurde von meinen Eltern schon als Kind zu Demonstrationen mitgenommen, das hat mich schon ein bisschen in diese Richtung gebracht.

8a :  Habt ihr schonmal bei anderen Aktionen mitgemacht?

S.: Ja, bei anderen Aktionen, die sich fĂŒr die Rettung des Klimas einsetzen, z.B. haben wir uns in Bielefeld mit einem Strick um den Hals auf große EiswĂŒrfel gestellt. Die sollten das Wegschmelzen der Pole und die große Gefahr fĂŒr uns symbolisieren. Wenn diese wegschmelzen, hĂ€ngen wir am Galgen.

8a:    Was motiviert euch? Was ermutigt euch?

L.: Es ist toll, sich mit Gleichgesinnten zusammen fĂŒr etwas Gutes einzusetzen. Wir erleben ein wunderbares GruppengefĂŒhl mit respektvollem, liebevollem Umgang untereinander, und das GefĂŒhl und die Freude am Ende einer Aktion sind ĂŒberwĂ€ltigend.

Außerdem macht es Spaß, kreativ zu sein und mit außergewöhnlichen Aktionen Medien- und Presse- Aufmerksamkeit zu generieren. Wir erhalten auch viel Zuspruch und UnterstĂŒtzung von Menschen jedes Alters, kommen ins GesprĂ€ch, erleben viele Begegnungen, die einfach wunderbar sind. Das war auch bei der Steinhausener Wald- und Baumbesetzung so.

8a:  Erlebt ihr auch negative Reaktionen von Menschen?

L.: Ja, ein paar SprĂŒche oder Beleidigungen wie z.B. „Geht mal arbeiten“ oder „Ihr links-grĂŒn versifften Ökos“, aber keine Handgreiflichkeiten. Eines der XR Prinzipien ist gewaltfreies Handeln und als Reaktion auf Angriffe suchen wir das offene GesprĂ€ch.

S.: Meistens verlĂ€uft alles sehr friedlich. Allerdings haben Menschen uns vor dem Abbau am Schluss die Kletterseile durchgeschnitten, was ziemlich heikel fĂŒr uns war.

8a:   Die Protestaktion im Steinhausener Wald Halle wurde unter anderem von „extinction rebellion“ Bielefeld vertreten. Wie seid Ihr zu der Gruppe gekommen?

L.: Ich wurde von Sophie darauf aufmerksam gemacht und bin auch ĂŒber sie der Ortsgruppe Bielefeld beigetreten. Ich hab mich informiert und dafĂŒr begeistert. Ich las das Hand-Buch “Wann wenn nicht wir*“ von extinction rebellion, unter anderem ein Ratgeber fĂŒr Protestaktionen und zivilen Ungehorsam, das fand ich sehr interessant.

8a:   Wie lief die Baumbesetzung ab? Gibt es einen Chef/ eine Chefin, der/die alles leitet?

L.: Nein, gibt es nicht. Jede und jeder macht so viel sie oder er kann, die Arbeit wird aufgeteilt und wir entscheiden nach Konsens. Es gibt keine Hierarchie, das ist eins der Prinzipien von extinction rebellion.

S.: Es lief so ab, dass wir um 4.30 Uhr aufgestanden sind und mit 10-15 Leuten in die BĂ€ume geklettert sind, da vormittags die Zeit war, wo eine FĂ€llung stattfĂ€nde. Deutlich mehr Menschen blieben am Boden. Wir haben uns dann bis nachmittags dort aufgehalten, an verschiedenen Strukturen wie Paletten oder Traversen gearbeitet, GesprĂ€che gefĂŒhrt, bis die Gefahr vorbei war. Nachts habe ich im Auto geschlafen. Insgesamt waren wir eine Woche zur Besetzung und eine Woche zum Abbau vor Ort.

8a:  Wie und was habt ihr gegessen, wo habt ihr euch gewaschen und seid ihr auf Toilette gegangen?

S.: Es gab viele Menschen, die uns warmes Essen gebracht haben, eine Anwohnerin hat uns Dusche und Toilette zur VerfĂŒgung gestellt und auch Schlafmöglichkeit in der Scheune. Auf den BĂ€umen wurden ĂŒber Nacht Eimer mitgenommen.

L.: Bei grĂ¶ĂŸeren Aktionen, wie z.B. bei der Besetzung im Dannenröder Forst, werden vor allem SĂ€gespĂ€ne-Toiletten gebaut. Wie gesagt, es gab jede Menge UnterstĂŒtzer*innen vor Ort, ground-support, was enorm wichtig ist bei solchen Aktionen.

8a:   Waren auch Kinder dabei?

L:. Ja, sogar schon VierjĂ€hrige, die in den BĂ€umen rumgeklettert sind.  Ihnen musste gar nicht groß erklĂ€rt werden, worum es geht. Sie waren sehr naturverbunden.

8a:  Hattet ihr auch Angst?

S.: Angst direkt nicht, höchstens vor Menschen, die mitten in der Nacht die Kletterseile durchschneiden oder BÀume fÀllen.

L.: Es war aufregend, emotional sehr bewegend. Angst wĂŒrde ich das nicht nennen, eher Ungewissheit. Wenn die Polizei kĂ€me um zu rĂ€umen, hĂ€tte ich schon Angst.

8a:   Habt ihr keine Angst vor den rechtlichen Konsequenzen, die auf euch zukommen könnten?

S.: Nein. Wir sind gut aufgeklĂ€rt, ob und wie wir uns strafbar machen. Wenn ĂŒberhaupt, bekommen wir eine Geldstrafe, welche aber durch ein Spendenkonto bezahlt werden könnte. Wenn’s schlecht lĂ€uft, muss man es selbst bezahlen, soweit ist es aber noch nicht gekommen.

8a:   Gibt es Momente, in denen Ihr es bereut, Aktivistin zu sein?

L.: Hm
höchstens, wenn ich bei KĂ€lte auf dem Boden sitze. Mein Motto ist, nichts im Leben zu bereuen sondern zu lernen.

S.: Nein.

8a:    Was ist fĂŒr die Zukunft bezĂŒglich des Storck-Waldes in Halle geplant?

L.: Steht alles noch offen. Jetzt ist die Rodungs-Saison erstmal beendet, und wenn sie im Oktober wieder beginnt, werden wir wieder da sein!

8a:   Habt Ihr Tipps, wie wir dem Klimaschutz und Bewegungen wie XR helfen könnten, wenn man nicht an Protestaktionen teilnehmen möchte?

S.: Sich gut informieren, seinen Freund*innen davon erzÀhlen, Aktionen auf social media teilen.

L.: Genau, eignet euch Wissen an und haltet euch auf dem Laufenden.

8a: Liebe Lea, liebe Sophie. Wir danken euch fĂŒr das gute GesprĂ€ch.

L und S.: Wir danken euch fĂŒr die tollen Fragen und die Möglichkeit!