PHILOSOPHIE - Was ist das?

Diese Frage ist so alt wie die Philosophie selbst — und d.h., wenn man sie nach abendländischer Tradition mit Thales von Milet (6.Jh.v.Chr.) beginnen lässt, ca. 2500 Jahre alt. Bis heute gibt es keine endgültige Antwort.
Die Philosophie hat so viele Gesichter, wie es Philosophen gibt. Da trifft man auf den pflichtbewussten Kant ebenso wie auf den ersten Hippie: Diogenes in der Tonne. Man lernt den entrückten Thales kennen, den eine Magd auslacht, weil er nach den Sternen schaut und dabei in den Brunnen fällt. Oder auch Sokrates, der (auf der Flucht vor seiner Frau Xanthippe?) barfüßig in Athen umherläuft und die Leute von der Arbeit abhält, um ihnen in langen Gesprächen klarzumachen, dass sie nichts wissen (weil ihnen die Weisheit fehle). Natur— und Geisteswissenschaftler, Politiker, Mönche, Revolutionäre und Künstler sind unter den Philosophen. Bei all ihren verschiedenen Fragen und Antworten geht es ihnen doch immer um das Gleiche: um die Liebe zum Wissen und um den Horizont, unter dem das menschliche Handeln seinen Sinn erhält.

Etwas fassbarer wird diese Wissenschaft, wenn man sich ihre wichtigsten Teilgebiete ansieht:

Die Anthropologie (Lehre vom Menschen) beschäftigt sich mit den wichtigsten Eigenschaften, die uns Menschen auszeichnen (Sprache, Vernunft, Triebe, Freiheit, Stellung in Natur, Gesellschaft und Kosmos) (Kurs 11,2).

In der Ethik spricht man über das menschliche Handeln, über Werte und Ziele, die wir Menschen verfolgen sollen, um ein gutes und glückliches Leben führen zu können (Kurs 12,1).

In der Staats- und Geschichtsphilosophie geht es um Grundprobleme der Politik und Gesellschaft (z.B. Grundrechte, Staatsformen, Utopien, Gewalt) bzw. um mögliche Deutungen von Ursprung, Sinn und Ziel der menschlichen Geschichte (Kurs 12,2).

In der Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie untersucht man die Grundlagen und Grenzen menschlicher Erkenntnis, also Fragen wie: Was ist Wahrheit? Auf welchen Voraussetzungen beruht die Mathematik? Sind andere Formen menschlicher Erkenntnis denkbar? (Kurs 13.1).
Selbstverständlich können - je nach besonderen Interessen des Kurses - im Kurs 13 auch andere Teilgebiete (z.B. Sprach-, Kunst-, Technik-, Religionsphilosophie oder auch Metaphysik und Naturdeutungen) berücksichtigt werden.

Im EinfĂĽhrungskurs (11.1) werden Ihnen diese Gebiete vorgestellt, und Sie werden mit den wichtigstes Arbeitsmethoden vertraut gemacht.

Im Unterricht werden Sie an Hand von Texten mit wichtigen philosophischen Entwürfen bekannt gemacht. Hinzu kommt als wesentliche Arbeitsform das Gespräch, in dem diese Entwürfe diskutiert und im Hinblick auf die Bedeutung für den einzelnen Menschen und sein Leben befragt werden.

In den Klausuren wird erwartet, dass Sie einen Text bearbeiten, weiterführende Fragen, die auch eine Verbindung zum Unterricht herstellen können, beantworten und eine persönliche - evtl. durch Fragen gelenkte - Stellungnahme formulieren.

Angeboten wird das Fach Philosophie als Grundkurs und - wenn sich eine genügende Anzahl von Interessenten findet - ab der Jahrgangsstufe 12 als Leistungskurs. Wenn Sie das Fach ab der Jahrgangsstufe 11 belegen, halten Sie sich die Möglichkeit offen, es als 3. oder 4. (evtl. als 2.) Abiturfach wählen zu können.

 

Ein Hinweis zum Schluss:

Wer sich ein festes Programm abfragbaren Wissens oder einen billigen Handel mit unhinterfragten Meinungen erhofft, wird von der Philosophie enttäuscht sein. Wer sich dagegen mit den zuvor genannten Fragen in hartnäckigen Gesprächen auseinandersetzen will, um zu einem eigenständigen Urteil zu gelangen, sollte sich nicht wundern, wenn er so schnell von der Philosophie nicht mehr loskommt.

Wie Sie sich auch entscheiden - wir wĂĽnschen Ihnen eine erfolgreiche Oberstufenzeit!


hier ein Video von Frau A. Schneider zum Thema "VideoSophia - Was ist eigentlich Philosophie?"