Lernen lernen im Kunstunterricht

Nachfolgend aufgeführte Aspekte sind selbstverständlicher Bestandteil des Lernens im Fach Kunst. Somit begleiten sie das fachtheoretische und fachpraktische Arbeiten ab Klasse 5 dauerhaft und zunehmend komplexer:

LERNEN
, Handlungsstrategien und Bildfindungsmethoden zu entwickeln:

Zahlreiche Bildanliegen erfordern planvolles Handeln und Zerlegen des komplexen Anliegens in einzelne Vorübungen/ Teilschritte. Die Schülerinnen und Schüler (SuS) lernen zum Beispiel schriftliche und bildnerische Konzepte zu entwickeln (verschiedene Arten von Kompositionsfindungen, methodische Annährung, ...), die zur erfolgreichen Bewältigung der Aufgabenstellung führen. Neben planvoll rationalem Suchen nach Lösungen lernen sie aber ebenfalls, dass -je nach Konzept- auch assoziatives, intuitives oder analogisches Vorgehen zu Problemlösungen führen kann. Hinsichtlich der Zeiteinteilung lernen die SuS, dass eine längere Arbeitsphase mit fixem Abgabetermin des Endergebnisses ein selbstverantwortetes Zeitmanagement erfordert, das Sie zunehmend beherrschen müssen.

LERNEN, werimmanente Beziehungenz herustellen, sie zu systematisieren, abzuwägen und mögliche Lösungen zu realisieren:

Im bildfindenden Dialog muss ein Strich/ ein Teil zum nächsten und zum entstehenden Ganzen auf der Fläche in Beziehung gesetzt zu werden. Dafür müssen mögliche Lösungen in der Vorstellung oder auf der Fläche angedacht, beurteilt, angenommen oder verworfen werden. Die Schülerinnen und Schüler lernen, dass (fachliches) Arbeiten ein Prozess ist, der gegebenenfalls selbststädniges Umdenken hinsichtlich der Zielvorstellung oder der Handlungsstrategien erfordert. Dabei lernen die SuS zu ordnen und zu systematiesieren, da jede Komposition eine Ordnung/ Systematiesierung auf der Fläche (oder im Raum) erfordert bzw. beinhaltet. Lernen zu systematiesieren und einzugrenzen, ist auch bei der Theoretischen Auseinandersetzung mit Bildern aufgrund der Gleichzeitigkeit von Informationen von besonders großer Bedeutung: Die Schülerinnen und Schüler lernen bereits ab der 5. Klasse, Inhalte und Formvoneinander zu unterscheiden, in ihren Bezügen zu hinterfragen und zu Deutungen zusammenzufügen. Sie lernen, den Verstehensprozess zu strukturieren und textinterne sowie textexterne Informationen zu verarbeiten.

LERNEN, sich zu konzentrieren, Durchhaltevermögen zu entwickeln, Frustration auszuhalten:

Viele bildnerische Verfahren erfordern in einem hohen Maße Konzentration, um ein angemessenes (sauberes) Bildergebnis zu erzielen. Mit zahlreichen Aufgabenstellungen gehen anstrengende und/ oder zeitintensive Entstehungsprozesse einher, die über längere Strecken hinweg keine motivierenden Teilfolgen ermöglichen. Die Schülerinnen und Schüler lernen hier, sich einer Aufgabe über längere Zeit zuzuwenden sowie Anstrengungen und Frustration auszuhalten.

LERNEN, Freiräume selbsttätig zu nutzen, Grenzen zu respektieren und soziale Beziehungen herzustellen:

Bildnerische Gestaltungen eröffnen Freiräume, die durch eigenständiges Denken und Handeln gefüllt werden müssen. Dies erfordert Aktivität, Phantasie und Kreativität sowie die Fähigkeiten, Entscheidungen treffen zu können. Zudem lernen die SuS, dass eine Vielzahl an möglichen Lösungen nicht gleich zu setzen ist mit Beliebigkeit und jede einzelne angedachte Lösung vor dem Hintergrund der vereinbarten Gestaltungskriterien geprüft werden muss. So lernen die SuS auf der einen Seite, Offenheit für die Verschiedenartigkeit von Sichtweisen und möglichen Lösungen sowie Toleranz gegenüber dem anderen, auf der anderen Seite aber auch, dass sie Kriterien der Gestaltung akzeptieren und realisieren müssen. Diese müssen während der Gestaltung immer wieder eigenständig als Korrektiv in den Blick genommen werden und vor den anderen SuS am Bild dargelegt werden. So lernen die SuS, dass sie ihre individuellen bildnerischen Äußerungen wie auch ihre individuellen Wahrnehmungen von Wirklichkeit in einen komplexen Interaktionsprozess einbringe, in dem sie selber etwas vermitteln, aber zugleich auch die Rückmeldung, der anderen verarbeiten müssen.

Die Zusammenstellung erfolgte im Rahmen der Evaluation der fachspezifischen Beiträge zum Thema "Lernen lernen" im Schuljahr 1999/ 2000. In einer möglichen Kunstklasse sollen die oben dargelegten Aspekte zum Lernen des Lernens jedoch stärker als bisher ins Bewusstsein gehoben werden. Hierfür ist es geplant, dass zwischenzeitlich der Lernprozess selber mit zum Gegenstand der Reflexion gemnacht wird.